Käufer stellen die Akku-Frage zuerst, und wer sie nicht beantworten kann, verkauft schlechter – nicht weil sein Fahrzeug schlechter wäre, sondern weil Unsicherheit immer zulasten des Verkäufers geht. Der State of Health, kurz SoH, beziffert, wie viel der ursprünglichen Kapazität noch verfügbar ist.
Warum Tesla den Wert nicht einfach anzeigt
Im Bordmenü gibt es keine Anzeige, die dir eine Prozentzahl nennt. Das hat einen nachvollziehbaren Grund: Der Wert schwankt je nach Temperatur, Ladezustand und Kalibrierung des Batteriemanagements. Eine einzelne Messung ist immer eine Momentaufnahme, und eine prominent angezeigte Zahl würde mehr Diskussionen auslösen, als sie klärt.
Für dich heißt das: Du musst dir den Wert selbst erarbeiten. Es gibt mehrere Wege, die sich in Aufwand und Genauigkeit unterscheiden.
Methode 1: Die Reichweitenrechnung
Der einfachste Weg, ohne Zusatzgeräte. Du lädst das Fahrzeug auf 100 Prozent und liest die angezeigte Reichweite ab. Diese vergleichst du mit dem Wert, den dein Fahrzeug im Neuzustand angezeigt hat – nicht mit der Normreichweite aus dem Prospekt, sondern mit der Anzeige.
- Vollladen Fahrzeug auf 100 Prozent laden, idealerweise langsam an der Wallbox
- Ablesen Angezeigte Reichweite in Kilometern notieren
- Umstellen Anzeige gegebenenfalls von Prozent auf Kilometer umstellen
- Vergleichen Den Wert ins Verhältnis zur ursprünglichen Anzeige setzen
Die Methode ist grob, weil die Anzeige selbst von Fahrprofil und Softwareversion beeinflusst wird. Als erste Einordnung reicht sie aber aus, und sie kostet nichts.
Methode 2: Auslesen über die Fahrzeugdaten
Genauer wird es, wenn die tatsächliche Energiemenge des Akkus ausgelesen wird statt der hochgerechneten Reichweite. Dafür gibt es Anwendungen, die die Fahrzeugdaten über einen Diagnoseadapter mitlesen, sowie Dienste, die Fahrdaten über einen längeren Zeitraum protokollieren und daraus den Kapazitätsverlauf ableiten.
Der Vorteil der zweiten Variante: Sie zeigt eine Entwicklung statt eines Einzelwerts. Genau das ist beim Verkauf überzeugend, weil eine flache Kurve über zwei Jahre mehr aussagt als eine einzelne Prozentzahl.
Methode 3: Das Batteriezertifikat
Ein unabhängig durchgeführter Test, bei dem der Akku unter definierten Bedingungen geprüft und das Ergebnis dokumentiert wird. Anbieter wie Aviloo haben sich darauf spezialisiert, und einzelne Händler bewerben zertifizierte Fahrzeuge inzwischen aktiv damit.
Der Test kostet Geld und lohnt sich vor allem dann, wenn die Unsicherheit hoch ist: bei älteren Fahrzeugen, bei hoher Laufleistung oder wenn du privat an einen skeptischen Käufer verkaufst. Bei einem drei Jahre alten Fahrzeug mit moderater Laufleistung ist der Nutzen geringer, weil ohnehin niemand mit auffälligen Werten rechnet.
Was ein normaler Wert ist
Der Verlauf ist bei Lithium-Ionen-Akkus typischerweise degressiv: Ein spürbarer Teil geht in den ersten Monaten und Jahren verloren, danach flacht die Kurve deutlich ab. Ein Fahrzeug, das nach fünf Jahren nur wenig unter dem Wert von nach zwei Jahren liegt, ist also nicht ungewöhnlich, sondern der Normalfall.
Konkrete Prozentzahlen nennen wir hier bewusst nicht, weil sie stark von Variante, Zelltechnologie, Nutzung und Klima abhängen und pauschale Angaben mehr verwirren als helfen. Wie sich der Akkuzustand in den Gesamtwert einfügt, haben wir beim Wertverlust eingeordnet.
Was den Akku schont
- Im Alltag nicht dauerhaft auf 100 Prozent laden, sondern im mittleren Bereich bleiben
- Volladungen für längere Fahrten kurz vor der Abfahrt planen, statt das Fahrzeug voll stehen zu lassen
- Schnellladen nutzen, wenn es nötig ist – aber nicht als Standard für das tägliche Laden
- Das Fahrzeug nicht über längere Zeit mit sehr niedrigem Ladestand abstellen
- Bei Kälte vor dem Laden vorkonditionieren
Fahrzeuge mit LFP-Zellen vertragen regelmäßiges Vollladen besser und sollen laut Hersteller sogar gelegentlich vollgeladen werden, damit die Ladestandsanzeige kalibriert bleibt. Welche Zelltechnologie verbaut ist, hängt bei den Modellen von Variante und Bauzeitraum ab – der Verlauf steht in der Model-3-Modellpflege.